KI-Tools in der Praxis

Salespage optimieren: 8 Dinge, die ich bei jedem Check zuerst anschaue

Wenn mich jemand bittet, kurz über eine Salespage zu schauen, wird es selten kurz. Hier sind die acht Punkte, die ich mir zuerst anschaue, ein Prompt für deinen eigenen Check und wie Claude mir heute den Neuentwurf baut.

Shireen Predehl lacht vor einer Backsteinwand
Von Shireen Predehl
20. Oktober 2026 8 Min. Lesezeit Kommentieren
Shireens Verkaufsseite für das Co-Working vorher und nachher am Rechner

Eigentlich wollte ich an diesem Vormittag meine To-dos abarbeiten. Zwei Produkte waren in Arbeit, und die Liste war lang. Dann kam eine Nachricht: „Shireen, magst du kurz über meine Landingpage schauen?“

„Kurz“, stand da. Wer mich kennt, ahnt, wie das ausging. Aus dem kurzen Drüberschauen wurde ein langes Dokument mit Anmerkungen zum Aufbau, zur Gestaltung, zu den Buttons, zu jedem einzelnen Abschnitt. Meine berühmt-berüchtigten Detail-Runden waren schon bei meinen Kolleginnen und Kollegen aus Konzeption und Screendesign gefürchtet, und in rund 20 Jahren Agentur hat sich dieser Blick offensichtlich festgesetzt.

Seitdem habe ich das ein paar Mal für Business-Freundinnen gemacht, inzwischen auch für Kollektivistas. Und seit diesem Herbst sieht das Ergebnis anders aus: Neben der Analyse bekommt die Seite gleich einen Neuentwurf, den ich mit Claude baue. Wie das läuft, zeige ich dir weiter unten. Vorher bekommst du die acht Punkte, die ich mir bei jeder Salespage zuerst anschaue, damit du deine eigene Seite heute noch durchgehen kannst.

Warum eine Salespage still bleibt

Du hast Wochen an deiner Seite gearbeitet, klickst auf „Veröffentlichen“, und dann passiert fast nichts. Es gibt ein paar Klicks, aber keine Käufe. Und weil du dein Angebot in- und auswendig kennst, liest du deine eigene Seite automatisch mit dem Wissen, das deine Besucherin nicht hat.

Meistens liegt es an mehreren kleinen Dingen, die zusammenkommen: Der erste Bildschirm sagt nicht, worum es geht, den Preis muss man suchen, und die beste Kundenstimme steht ganz unten, wo kaum jemand ankommt. Jedes für sich ist schnell geändert, man muss es nur sehen.

8 Dinge, die ich bei jedem Salespage-Check zuerst anschaue

1. Der erste Bildschirm

Bevor ich irgendetwas lese, schaue ich, was ohne Scrollen zu sehen ist, am Rechner und am Handy. Drei Fragen muss dieser Bildschirm beantworten: Was ist das? Für wen ist es? Und was ist der nächste Schritt?

Erstaunlich oft steht dort ein großes, schönes Bild, darüber das Logo und sonst nichts. Das sieht gut aus und erklärt leider gar nichts. Wer in den ersten Sekunden nicht versteht, ob die Seite für sie gedacht ist, ist wieder weg.

Tipp

Nimm dein Handy, öffne deine Seite und halte den Daumen still. Was siehst du, bevor du scrollst? Wenn dort weder dein Angebot noch ein Button steht, hast du deinen ersten Punkt gefunden.

2. Ein Angebot, ein Weg

Eine Salespage verkauft eine Sache. Stehen dort drei Angebote nebeneinander, dazu der Newsletter, der Instagram-Link und das Kontaktformular, muss deine Besucherin sich entscheiden, und wer sich entscheiden muss, verschiebt es gern auf später.

Ich prüfe deshalb, wohin jeder Link und jeder Button führt. Auf einer Salespage sollte fast alles zum selben Ziel führen. Deshalb haben meine eigenen Verkaufsseiten auch kein Menü, nur das Logo führt zur Startseite zurück.

3. Die Reihenfolge

Hier kommt die Didaktik ins Spiel. Eine Seite, die verkauft, erzählt in einer Reihenfolge, die deiner Besucherin beim Denken hilft. Zuerst erkennt sie ihr Problem wieder, dann versteht sie dein Angebot, sieht Belege und erfährt, wie es abläuft. Danach kennt sie den Preis und findet Antworten auf ihre Zweifel.

Oft sind alle Teile da, nur in der falschen Reihenfolge. Der Ablauf steht vor dem Problem, die Fragen stehen vor dem Preis, oder die Seite beginnt mit einer langen Vorstellung, bevor klar ist, warum man weiterlesen sollte.

4. Was du hast und nicht zeigst

Das ist mein Lieblingspunkt, weil er so oft so schnell geht. Fast jede Seite, die ich mir anschaue, hat Belege, die versteckt sind: Bewertungen, die nur auf einer Unterseite stehen, bekannte Kundennamen in einer Liste ganz am Ende, ein Projekt, auf das du zu Recht stolz bist, das aber nirgends erwähnt wird.

Kundenstimmen wirken am stärksten mit vollem Namen und Foto. „Anna, Coach“ glaubt man weniger als einen echten Menschen mit Gesicht und Business.

5. Der Preis

Steht der Preis auf der Seite? Und ist klar, was dafür enthalten ist? Ohne Preis bleibt die wichtigste Frage offen, und nur wenige schreiben dann eine Mail, um nachzufragen. Die meisten schließen den Tab.

Bei Angeboten, die du individuell kalkulierst, reicht ein „ab“-Preis. Er gibt eine Orientierung und sortiert gleich die aus, für die es gerade nicht passt.

6. Deine Buttons

Ich zähle die Buttons, schaue, wo sie stehen, und lese, was draufsteht. „Jetzt kaufen“, „Absenden“ und „Mehr erfahren“ sagen, was technisch passiert. Ein guter Button sagt, was deine Besucherin bekommt oder wie sie sich danach fühlt.

Auf meiner Angebotsseite steht zum Beispiel „Gemeinsam wachsen? Unbedingt!“ für das Kollektiv und „Wenn ich was brauche, dann das!“ für das Co-Working. Das klingt nach mir, und es klingt nach einer Entscheidung, die man gern trifft.

7. Sätze, die auf jede passen würden

„Hochwertig“, „mit Leidenschaft“, „individuell auf dich zugeschnitten“: Solche Sätze könnten auf jeder zweiten Seite deiner Branche stehen. Ich markiere sie alle und frage dann: Was genau machst du anders? Wie viele Jahre, welche Kundinnen, welcher Ort, welches Ergebnis?

Fakten, Namen, Orte und Zahlen machen eine Seite glaubwürdig. Und deine eigenen Formulierungen, auch wenn sie kantig sind, wirken mehr als jeder glatte Werbesatz.

8. Das Handy

Wer über Instagram oder deinen Newsletter auf deine Seite kommt, ist fast immer am Handy unterwegs. Ich schaue mir die ganze Seite deshalb einmal mit dem Daumen an: Füllt ein Bild den ganzen ersten Bildschirm? Ist die Schrift zu klein? Rutscht der Button so weit nach unten, dass ihn niemand sieht?

Bei längeren Seiten lohnt sich eine Leiste, die am Handy unten stehen bleibt (sticky), mit Preis und Button. So ist der nächste Schritt immer einen Daumentipp entfernt.

Dein eigener Check: ein Prompt zum Kopieren

Du kannst deine Seite mit diesen acht Punkten selbst durchgehen, oder du lässt dir dabei von einer KI helfen. Kopiere den Prompt in Claude oder ChatGPT und ergänze die eckigen Klammern. Kann dein KI-Tool keine Websites öffnen, kopierst du den Text deiner Seite hinein. Ein Screenshot vom ersten Bildschirm am Handy hilft zusätzlich.

Du bist eine erfahrene Konzepterin für Verkaufsseiten. Prüfe meine Salespage aus der Sicht einer Besucherin, die mich noch nicht kennt.

Mein Angebot: [Was verkaufst du, an wen, zu welchem Preis?]
Ziel der Seite: [z. B. kaufen, sich eintragen, einen Termin buchen]
Meine Seite: [Link oder kompletter Text der Seite, dazu wenn möglich ein Screenshot vom ersten Bildschirm am Handy]

Geh diese Punkte nacheinander durch und zitiere jeweils die Stelle, um die es geht:
1. Erster Bildschirm: Versteht man in wenigen Sekunden, was das ist, für wen es ist und was der nächste Schritt ist?
2. Gibt es ein Angebot und einen Weg, oder konkurrieren mehrere Ziele miteinander?
3. Reihenfolge: Problem, Angebot, Belege, Ablauf, Preis, Fragen. Was fehlt, was steht an der falschen Stelle?
4. Belege: Welche Kundenstimmen, Zahlen und Referenzen gibt es, und wo stehen sie? Was ist versteckt?
5. Preis: Steht er da, und ist klar, was enthalten ist?
6. Buttons: Wie viele, wo, und was steht drauf? Sagen sie, was ich bekomme?
7. Sätze, die auf jede Anbieterin in meiner Branche passen würden: Liste sie auf.
8. Handy: Was rutscht zu weit nach unten, was ist zu klein?

Nenne mir danach die fünf Änderungen, die am meisten bringen, sortiert nach Aufwand (schnell erledigt zuerst). Erfinde keine Kundenstimmen, Zahlen oder Fakten. Wenn dir eine Information fehlt, frag nach.

Für einen ersten Durchgang reicht der Prompt, und er bringt dich in einer Viertelstunde ein gutes Stück weiter. Und er zwingt dich, die Frage nach dem Ziel deiner Seite einmal schriftlich zu beantworten. Das allein hat bei mir schon manches geklärt.

So arbeite ich heute mit Claude

Früher bestand mein Feedback aus Text: einem langen Dokument, kommentierten Screenshots und Formulierungen wie „Den Button würde ich nach oben ziehen und die Stimme von weiter unten direkt darunter setzen“. Das war gründlich, und trotzdem musste sich die Empfängerin das Ergebnis selbst vorstellen.

Heute läuft es so: Ich gehe die Seite mit den acht Punkten durch und entscheide, was sich ändern soll. Claude baut daraus einen Neuentwurf der ganzen Seite, mit den echten Bildern und Texten der Seite, für Desktop und Handy. An jedem Abschnitt steht eine kurze Notiz, warum er so aussieht, und die lässt sich mit einem Button ein- und ausblenden. Dann schaue ich drüber, korrigiere, und erst danach geht der Entwurf raus.

So habe ich im Oktober auch meine eigene Website neu aufgebaut: erst als Entwurf im Browser, dann in Elementor. Bei der Startseite habe ich zwischen zwei Köpfen, drei Wegweisern und zwei Fotos gewählt, alles als Varianten zum Durchklicken. Und als ein früher Entwurf Texte beim Scrollen einblenden ließ, flog das raus, weil ich das furchtbar finde. Seitdem weiß Claude das.

Shireens Startseite vorher und nachher am Rechner: hinten die alte Seite mit hellpetrol Kopf und „Weniger Stress. Mehr Business.“, vorn die neue mit großem Titel und Porträt
Meine Startseite vor und nach dem Neubau im Oktober 2026

Das Bauen geht damit schnell. Entscheiden muss ich trotzdem selbst, und genau dafür braucht es die Erfahrung: welcher Abschnitt wegkann, welche Stimme nach oben gehört, welcher Satz zu glatt ist. Claude spart mir die Stunden, in denen ich früher Screenshots kommentiert habe.

Wie Claude bei mir direkt in WordPress arbeitet, habe ich übrigens in diesem Artikel aufgeschrieben: Website anpassen mit KI: So arbeitet Claude direkt in meinem WordPress.

Wenn du lieber einen Blick von außen willst

Wenn du deine Seite nicht selbst durchgehen willst oder nach dem Prompt immer noch das Gefühl hast, dass etwas hakt, schau ich sie mir an.

Salespage-Check · 139 €

Du schickst mir deine Salespage, Landingpage oder Startseite und sagst mir, wo es hakt. Ich schicke dir meine Analyse und einen Neuentwurf deiner Seite als Bild zurück, für Desktop und Handy, dazu deine nächsten Schritte.

Häufige Fragen

Brauche ich Claude für den Prompt?

Nein. Der Prompt funktioniert auch mit ChatGPT oder einem anderen KI-Tool. Wichtig ist, dass du ihm den Text deiner Seite gibst, wenn es keine Websites öffnen kann.

Wie oft sollte ich meine Salespage prüfen?

Spätestens vor jedem Launch und immer dann, wenn sich dein Angebot oder dein Preis ändert. Dazwischen reicht ein Blick, wenn deine Zahlen nachlassen.

Gilt das auch für Landingpages von 0-Euro-Produkten?

Ja, fast alle Punkte gelten genauso. Auf einer Landingpage ist der „Preis“ die E-Mail-Adresse, und dort gehört auch der Hinweis hin, dass deine Besucherin dafür deinen Newsletter bekommt.

Welcher der acht Punkte wackelt bei deiner Seite gerade am meisten? Schreib es mir in die Kommentare, ich lese wirklich mit.

Shireen Predehl lacht vor einer Backsteinwand
Geschrieben von Shireen Predehl

Ich bin Business-Coachin für Solo-Unternehmerinnen in Stuttgart. Hier schreibe ich auf, was ich in meinem Business mit KI-Tools ausprobiere, wie meine Monate und Jahre laufen und was mich bewegt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Newsletter

Lieber per Mail lesen?

In meinem Newsletter bekommst du die volle Breitseite Business und Leben: was ich ausprobiere, was funktioniert und was bei mir drumherum passiert.

Ich sehe, ob du meine Mails öffnest und welche Links du anklickst. Abmelden geht jederzeit mit einem Klick. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.