Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zur Watercolor-Enthusiastin

Manchmal merkt man erst rückblickend, welche kleinen Begegnungen das eigene Leben auf wunderbare Weise beeinflusst haben. Wie Situationen und Menschen die eigenen Sichtweisen verändert und gelenkt haben. Hier möchte ich dir einmal auf ganz persönliche Weise meine Herzensmomente aufzählen.

  1. 1990, Ein echter musikalischer Flop: Die erste Begegnung mit einer Form der Kreativität, an die ich mich bewusst erinnern kann, ist die, als ich in meiner neuen Grundschule ankam. „Music was my first love and it will be my last“ – Hach, wie ich wünschte, diese melodischen Worte John Miles würden auch auf mich zutreffen. Leider traf das Gegenteil zu: Während alle Mitschüler und Mitschülerinnen während der ersten Klasse ein Instrument erlernt hatten, konnte ich nicht einmal die Noten lesen. Zu allem Überdruss wurde mir das uncoolste Instrument ever auferlegt: die Blockflöte. Eine Liebesbeziehung wurde daraus nicht. Irgendwie schade.

  2. Anfang der 90er Jahre, Wilde Kreaturen finden auf mein Papier: Unterricht kann echt öde sein. Jedenfalls ist er selten kreativ. Ich konnte oft meine Gedanken gar nicht daran hindern abzuschweifen und habe aus dieser umherschweifenden Fantasie heraus angefangen zu kritzeln. Es heißt ja, Kreativität entsteht aus Langeweile und so entsprangen der Spitze meines Bleistiftes alsbald zahlreiche erstaunliche Wesen, wie stählerne Zentauren und zierliche Nixen in Wäldern und an Flüssen. Sie nahmen die Ränder meiner Hefte, die Blätter meiner Blöcke ein. Eher zum Leidwesen meiner Lehrer.

  3. Mitte der 90er Jahre, (D)Ein Porträt des Schwarms: Mit der zuckersüßen, ersten Liebe lenkt sich meine Aufmerksamkeit noch weiter weg von den eher trockenen Unterrichtsinhalten. Meine Energie stecke ich lieber in das abmalen kleiner Passfotos: Erst das Porträt meines Schwarms, dann die der Klassenkameradinnen. Es entstehen so wohl unzählige mehr oder weniger realistische Bleistiftbilder pickliger Teenager.

  4. Auch Mitte der 90er Jahre, „Raubkopierte“ Sailor Moon Ausmalbilder: Bilder abzumalen und dabei in ihrer Größe zu verändern wird fast zu einer Obsession. Auf der Suche nach weiteren Motiven biete ich meiner kleinen Schwester an, ihre Lieblings-Comic-Heldin in ein DIN A4 Format zu übertragen. Sie freute sich über die dabei entstandenen Sailor Moon Ausmalbilder. Ich meine mich zu erinnern, dass die Bilder auch unter ihren Freundinnen die Runde machten. Wäre ich doch nur so smart gewesen und hätte für jedes Bild zehn Pfennig verlangt.

  5. Eher Ende der 90er Jahre, Könnte die Schule doch nur aus einem Fach bestehen: Ich weiß nicht mehr, ob es an meiner Realschule einen Kunstzweig gab, da der Mathematische Zweig aber ganz sicher nichts für mich war, landete ich im Wirtschaftszweig. Geringfügig besser für meine Interessen, aber eben dennoch nicht der Schwerpunkt meines Herzens, und wen wundert es, ich war entsprechend total schlecht in eigentlich allen Fächern, von Englisch über Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre bis hin zu Mathematik Chemie und Physik. Ein Fach konnte mich dann aber doch überzeugen – außer Sport – und lies mich zu Höchstformen auflaufen: Deutsch. Mein ganzer Stolz war, einmal eine Eins in einer Schulaufgabe erhalten zu haben. Das war eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.

  6. Ab Mitte der 90er Jahre bis heute, Märchenliebe: Die Stadtbibliothek war einer meiner Lieblingsplätze, mitunter war ich mehrmals in der Woche dort um neue Bücher zu finden und zu entleihen. Ganz verrückt fuhr ich dann enthusiastisch auf meinem Fahrrad nach Hause und las bereits während der Fahrt (Oh Mein Gott!). Es kam sogar so weit, dass ich die Kinderbücherei „leer gelesen“ hatte und kein Buch mehr finden konnte, welches ich nicht bereits verschlungen hatte. Zu dieser Zeit stellte ich fest, dass ein und das selbe Märchen in unterschiedlichen Büchern unterschiedlich erzählt wird. Teils sich sogar Handlungen verändern. Fasziniert fing ich an die gängigen Märchen zu vergleichen. Seither sammle ich Märchen aus aller Welt, krame dafür in staubigen Flohmarktkisten und „zu verschenken“-Kartons.
Ein altes Märchenbuch, gerettet aus einer „zu-verschenken“ Box.
  1. 2005, Mein zweiter Bildungsweg: Hatte ich meinen Realschulabschluss tatsächlich gerade so geschafft, so stellte ich nach meiner Ausbildung fest, dass ich irgendwie „mehr“ will. In Bayern geht das über den zweiten Bildungsweg und ermöglicht es, das Abitur nachzuholen. Für mich war das Augenöffnend, da ich das erste mal nicht lernen „musste“, sondern lernen „wollte“. Neben der Erweiterung meines Wissenshorizonts begegnete ich so großartigen Menschen, durch die ich erstmals wirklich begriff, wie viel Leben noch hinter meinem kleinstädtischen Tellerrand liegt.

  2. Anfang 2006, Backpacking am anderen Ende der Welt: Die Reiseliebe packte mich. Der Ruf der weiten Welt wurde sehr laut und zog mich in mein erstes Reiseabenteuer. Wie damals fast jeder Abiturient wollte ich vor dem „Ernst des Lebens“ noch eine große Tour machen. Ich arbeitete in Promotionjobs, in der Gastro und am Fließband, um mir den Traum erfüllen zu können. Mein erster Stefan Loose wurde zu meiner Bibel – markiert mit unzähligen Anmerkungen, Post-its und Eselsohren, erinnerte er mich stets an mein Ziel. Und endlich flog ich klopfenden Herzens mit schmalstem Budget nach Down Under. Ein glorreicher Auftakt für Reisefieber.
Kuschel-Koala im privaten Zoo von Barefoot Rob.
  1. Ab Mitte 2006, Rumstudieren: Inspiriert von der großen Reise, von den Gesprächen mit Gleichgesinnten und durch die Numerus Klausus Restriktionen schrieb ich mich an der FAU für Sinologie ein. Ein echter Fail. Der Studiengang war auf Englisch (ich sollte also Chinesisch via Englisch lernen), und trotz meines Australienaufenthaltes konnten meine Sprachkenntnisse nicht annähernd mithalten. Zudem war China und Taiwan viel zu spezialisiert. Ich schwänzte die Vorlesungen zunehmend und verdiente mich durch Studentenjobs. Kein Zweifel, hier hätte ich echt übel hängen bleiben können. Ewiger Philosophiestudent.

  2. Anfang 2008, Irrwege führen auch zum Ziel: Die vielen Geschichten, die ich in den unzähligen Büchern aus unserer Kleinstadtbücherei gelesen habe, waren es vermutlich, die mich zur Räson gerufen haben. Jeder Held und jede Heldin hatte ein Ziel und entwand sich auf ihrer Heldenreise den vom Weg abbringenden Verlockungen. Ich denke, ich konnte mich als Mädchen mit ihnen so gut identifizieren, da auch ich einen inneren Drang verspüre, Neues zu erkunden. Dieser Drang war es auch, der mich letztlich das Studium abbrechen lies. Ich ging auf die Suche nach einer Ausbildungsstelle als Grafikdesignerin. Ich hatte erkannt, dass ich eher eine Macherin und weniger eine Studentin war.

  3. Mitte 2008, Endlich angekommen: Tatsächlich war es ziemlich hart mit Mitte 20 und abgebrochenem Studium eine Ausbildungsstelle zu finden. Ich tingelte von Agentur zu Agentur. Stellte mich (mit aus heutiger Sicht echt unästhetischen Bewerbungsunterlagen) vor und nahm ausschließlich Absagen mit nach Hause. Ich war so richtig frustriert und lief eher wahnwitzig und komplett unvorbereitet in eine Agentur hinein, an der ich gerade zufällig vorbei kam. Meine vermutlich recht kesse Frage nach einer Ausbildungsmöglichkeit imponierte meinen späteren Chef so, dass er mich direkt zum Vorstellungsgespräch da behält. Tatsächlich ist er einer der Menschen, von denen es viel mehr braucht! Er sieht in mir mehr, als nur meine Irrwege und bietet mir ein Duales Studium an.

  4. Ab 2009, Grafikdesign so richtig ausleben: Während meiner Tätigkeit als Duale Studentin in der klassisch ausgerichteten Branding-Agentur erlerne ich Grafikdesign, entwickle ein Gefühl für ästhetische Kompositionen, für das Zusammenspiel gestalterischer Elemente auf der einen Seite, und betätige mich als Texterin auf der anderen Seite. Während meiner Arbeitszeit gestalte und schreibe ich am liebsten unser agentureigenes Magazin, in meiner Freizeit nehme ich jede Gelegenheit war, um Karten für Geburtstage, Feiertage und Hochzeiten zu kreieren. Eines meiner liebsten Projekte wird die Hochzeitszeitung meiner Schwester.

  5. Mitte 2011, Jetzt bin ich „a Neigschmeckte“: Mit dem Umzug vom bayerischen Nürnberg ins schwäbische Stuttgart folgt der Wechsel von der klassischen hin zur digitalen Agentur. Aber auch der Wechsel aus dem Bereich „Kreation“ zum „Projektmanagement“. Ich bin also, privat, wie auch beruflich, wie man im Schwäbischen sagt: „neigschmeckt„. Und, zu meiner Überraschung, ich fühle mich tatsächlich sehr wohl im Kessel.
Blick auf den Stuttgarter Fernsehturm über die Stadt und das Heusteigviertel.
Meine (neue) Heimat: Stuttgart.
  1. 2012, Adieu Studentenleben: Ganze drei Jahrzehnte hat es gedauert, bis ich das erste mal wirklich meinen Stil leben konnte. Endlich konnte ich es mir leisten meinen Lebensraum genau so einzurichten und zu gestalten, wie ich es wirklich wollte. Alle geschenkten und abgewohnt-vererbten Möbelstücke wichen meiner Einrichtungsidee. Klare Linien, weiß und mit Besonderheit im Detail. Seither lebe ich meine Liebe zu schönem, minimalistischem Interieur, Architektur, Kleidung, Grafik und dem Leben allgemein.

    
  2. Mitte 2013, Eine neue Reise beginnt: Manche Begegnung im Leben schleicht sich auf leisen Sohlen an, um dann umso mehr ihren festen Platz zu beanspruchen. Ich wäre heute nicht wer und was ich bin, wäre da nicht diese eine Begegnung gewesen. Unerwartet hat sie mir die ganz große Liebe beschert. Meinen Herzensmenschen. Der immer an mich glaubt, immer hinter mir steht, mich herausfordert und auffängt.
Junges Paar auf einem Rollfeld in der sonne Asiens.
Meine beste Hälfte 💜
  1. September 2018, Alles wird anders: Ein ganz besonderer Moment in meinem Leben ist der, an dem ich mein erstes Baby, meinen Sohn im Arm halte und ich Mama werde. Das erste Jahr verfliegt und auf die Elternzeit folgt der Wiedereinstieg ins Berufsleben mit Teilzeitstelle, ab jetzt voll und ganz als Kreativ-Konzepterin. Also, wieder zurück zu den Wurzeln: Kreativität statt Management. Inhaltlich macht mich das sehr happy, wenngleich es ab jetzt stets ein mitunter echt anstrengender Spagat zwischen Arbeit und Kinderbetreuung ist.
Junge Frau mit Babybauch blickt auf das Meer.
Ich, mit riesigem Babybauch.
  1. Frühling 2020, Eine Pandemie wird ausgerufen: Ohje, die Welt steht Kopf, Corona hat uns plötzlich alle fest im Griff. Homeoffice, Kinderbetreuung, Lockdown, schränken uns ein, fordern uns heraus. Ich suche nach kreativen Auszeiten, um Energie zu tanken. Zufällig fällt mir der Wasserfarbkasten meiner besten Hälfte aus dessen Schulzeiten in die Hände. Trotz vertrockneter und vergrauter Farben, ich bin angefixed, sitze noch an dem ersten Abend bis weit nach Mitternacht und male.

  2. Herbst 2020, Wow, so geht das mit dem Watercolor: Auf der Suche nach Inspiration und Anleitung stolpere ich über ein gratis Tutorial von Anna Mason, in dem eine Birne gemalt wird. Die sieht so perfekt aus, ich traue mich kaum, sie nachzumalen. Aber, dieser Kurs ist so großartig aufgebaut, die Schritte so gut und nachvollziehbar erklärt, am Schluss halte ich eine realistisch aussehende Birne in der Hand. Wow. Was bin ich geflashed. Und das, obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch nicht die optimalen Farben, das beste Papier oder Pinsel verwende. Ich erahne: eigentlich ist Watercolor gar nicht schwer, wenn man weiß wie.
Meine gemalte Birne, die mich so überrascht hat.
  1. Ab Ende 2020, Mein Weg zur Watercolor-Enthusiasin: Seit dem „Birnen-wow-Moment“ habe ich unzählige kostenfreie und bezahlte Kurse gemacht, gute und schlechte Anleitungen angesehen, Tutorials durchstöbert und hilfreiche, wie weniger hilfreiche Blogbeiträge gelesen. Ich habe mir auf diverse Empfehlungen dies und jenes gekauft, um einiges davon dann in die hinterste Ecke meines Schreibtisches zu räumen. Habe mir Farben, Pinsel und Papier zugelegt und vor Euphorie Purzelbäume geschlagen. Es war, und ist es auch heute immer wieder, ein Auf und Ab: der eine Kurs war ein Erfolgserlebnis, bei dem Anderen war das Ergebnis niederschmetternd. Manches Material versauert, während ich mittlerweile meine Lieblinge gefunden habe.

  2. September 2021, Meine Watercolor Academy: Meine zweite Schwangerschaft ist mein Startschuss dafür, selbst Watercolor-Kurse anzubieten. Ich merke, wie die Mamas in meinem Umfeld sich selbst kaum Zeitinseln für ihre kreative Entfaltung nehmen. Meist aus dem Gedanken heraus, nicht die Zeit oder das Talent dafür zu haben. Deshalb möchte ich meine Erfahrung, mein Wissen, weitergeben, denn eines habe ich festgestellt: Immer wenn ich eines meiner Watercolor Bilder male finde ich meinen kreativen Flow und komme in Balance. Mein Versprechen ist deshalb: mit dem Wissen, wie und was, kann jeder Mensch malen.
Frau lachend
Screenshot von mir beim Kursabschluss von Creative MOMents.

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